Fachtagung: Pflege - Gewalt - Migration: Vergessen in der zweiten Welt?

Regionalprojekt im Rahmen der Plattform „Gegen die Gewalt in der Familie“

Der Prognose von Statistik Austria zufolge wird die Bevölkerung Österreichs auch in Zukunft wachsen, und zwar von derzeit 8,3 Millionen auf etwa 9,52 Millionen im Jahr 2050. Die Altersstruktur verschiebt sich allerdings deutlich hin zu den älteren Menschen.

Derzeit sind 22% der Bevölkerung 60 Jahre alt oder älter, mittelfristig (2020) werden es rund 26% sein, langfristig (ca. ab 2030) sogar mehr als 30%. Aufgrund dieser demographischen Entwicklung lässt sich annehmen, dass damit auch der Anteil an älteren Migrantinnen und Migranten steigen wird. Denn Österreich ist für viele MigrantInnen und Migranten zu einer zweiten Heimat geworden, als sie in den 1960er Jahren als „ArbeitsmigrantInnen“ gekommen sind. Trotz Diskrepanz zwischen geplanter Rückkehr und tatsächlicher endgültiger Niederlassung kann man davon ausgehen, dass viele Menschen nach der Pensionierung in Österreich bleiben.

Aufgrund dieser Entwicklung zeichnet sich ab, dass zunehmend auch ältere Migrantinnen und Migranten soziale und pflegerische Betreuung in Anspruch nehmen werden und damit auch in naher Zukunft ein höherer Bedarf an pflegerischer Versorgung für diese Bevölkerungsgruppe entstehen wird. Hervorzuheben ist jedoch, dass über die Lebenssituation älterer Migrantinnen und Migranten in Österreich und die spezifischen Bedingungen ihres Älterwerdens wenig bekannt ist. Die Kenntnis darüber ist jedoch in vielfacher Hinsicht eine wesentliche Voraussetzung, um gezielt Ansatzpunkte für die Pflege älterer Menschen aus anderen Kulturkreisen zu finden. Das schließt einerseits mit ein, zu überprüfen, ob und welche Zugangsbarrieren zum Gesundheitssystem gegeben sind und andererseits gilt es, herauszufinden, inwieweit und in welcher Form interkulturelle Kompetenz im Pflegebereich gegeben ist und welche Handlungsstrategien zur Erweiterung entsprechender Angebote entwickelt werden sollen.

Im Kontext der Beschäftigung mit den individuellen Lebenswelten und Bedürfnissen älterer MigrantInnen in Bezug auf den Bereich Pflege und mit den spezifischen Anforderungen an Interkulturalität/Transkulturalität in der Pflege soll insbesondere auch der Frage nach den strukturellen Voraussetzungen von Gewalt nachgegangen werden. Denn fehlende und mangelnde Rahmenbedingungen, unter denen Pflegebeziehungen stattfinden, ermöglichen eine Vielzahl an Gewaltformen.

Ziel des Projektes:

  • Organisierung einer Fachtagung zum Thema „Pflege – Gewalt – Migration – Vergessen in der zweiten Welt?’“

Ziel von GEFAS Steiermark – Akademie für Generationen ist es, im Rahmen dieses geplanten Regionalprojektes eine Fachtagung als Beitrag zur Gewaltprävention zu organisieren, der als eine Vertiefung und spezifische inhaltliche Weiterentwicklung der vorausgehenden Projekte „Pflege – Gewalt – SeniorInnen“ (2007/2008) und „Interkulturelle Kompetenz in der Beratung bei häuslicher Gewalt“ (2009) zu sehen ist. Die Schwerpunktsetzung auf die Zielgruppe ältere Migrantinnen und Migranten im Kontext von Pflege und Gewalt soll zu einer intensiven Auseinandersetzung über ein gesellschaftspolitisch relevantes Thema führen, zu denen ExpertInnen aus verschiedenen Bereichen und Disziplinen ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen einbringen sollen. Im Rahmen der Fachtagung sollen u.a. folgende Fragestellungen behandelt werden:

  • Welche Auswirkungen zeichnen sich durch den demographischen Wandel insbesondere auf das Gesundheitssystem ab?
  • Wie leben Menschen mit Migrationshintergrund im Alter? • Welche Faktoren müssen im Bereich Pflege Berücksichtigung finden?
  • Wie kann gesellschaftliche Teilhabe konkret gestaltet werden?

Die Fachtagung ist einerseits als fachliche Qualifizierungsmaßnahme für die Personen gedacht, die beruflich im Pflegebereich tätig sind und anderseits soll sie für unmittelbar Betroffene als Diskussionsforum dienen. Darüber hinaus ermöglicht sie einen direkten Informationsaustausch der Beteiligten und die Vernetzung aller Organisationen vor Ort, die in ihrem Tätigkeitsbereich mit dem geplanten Thema konfrontiert sind.

Die Beschäftigung mit interkulturellen Fragen bezogen auf ältere Migrantinnen und Migranten im Kontext Pflege und Gewalt soll auch dazu führen, dass Handlungsbedarf sichtbar gemacht und konkrete Maßnahmen im eigenen Wirkungsbereich überlegt werden. Als Zielgruppe sind somit insbesondere MitarbeiterInnen von Pflegeeinrichtungen und MigrantInnenorganisationen aber auch aller Vereine vor Ort, die ihre Erfahrungen mit dem Thema aus dem Blickwinkel der verschiedenen Traditionen in den jeweiligen Kulturkreisen einbringen sollen.

Die geplante Kooperation mit der Integrationsreferentin der Stadt Graz ist sowohl bei der inhaltlichen Gestaltung aber vor allem auch in der Bewerbung der Fachtagung als Vorteil zu sehen.

Termin, Ort:

am 14. Oktober 2010, Mediacenter im Rathaus Graz, Hauptplatz

Inhaltliche Planung und Umsetzung: Mag.a Ulrike Taberhofer, GEFAS

Moderation: Mary Delißen

Fotos der Veranstaltung

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Einladung, Programm und Vortragsunterlagen:



Subjektive Krankheitswahrnehmung bei Migrantinnen und Migranten aus familienorientierten Gesellschaften
Jan Ilhan Kizilhan - Institut für Psychologie Universität Freiburg

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Interkulturelle Altenpflege: Herausforderungen und Chancen für die Zukunft
Christine Binder-Fritz - Zentrum für Public Health, Medizinische Universität Wien

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Transkulturelle Kompetenz und kultursensible Pflege
Hermine Moser - DGKS, Lehrerin für Pflegeberufe

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Erfahrungsbericht zur Gesundheitsversorgung älterer MigrantInnen und Flüchtlinge
Irene Holzer - Leiterin der Marienambulanz Graz

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Sprachliche und kulturelle Barrieren abbauen?!
Sevgi Uluköylü - Kommunaldolmetscherin im medizinischen Bereich, "dolmetschbüro sprint" Graz

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Workshop 1:"Migration, Alter, Pflege, Gesundheit"
Moderation: Frau Christine Binder-Fritz und Herr Kheder Shadman (MigrantInnenbeirat der Stadt Graz)

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