Erasmus+ Ältere bauen mit Jüngeren Brücken für Europa

2. Projekttreffen in Liberec

Erasmus+ Ältere bauen mit Jüngeren Brücken für Europa

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Menschliche multinationale Brücke vor dem Schloss Sychrov

Voller Elan und Motivation brechen wir am österreichischen Nationalfeiertag, den 26. Oktober 2016, nach Liberec auf. Dankbarerweise kann unsere 8-köpfige Gruppe bei Anja Šonc und unseren slowenischen ProjektpartnerInnen im Bus mitfahren.

Etwas erschöpft und hungrig kommen wir in der einladend wirkenden Stadt in Tschechien an. Bei einem köstlichen Abendessen in nettem Ambiente werden wir im "Schwarzen Pferd" für unsere lange Reise belohnt.

Am nächsten Morgen finden sich alle Projektpartner im Rektoratsgebäude an der Technischen Universität ein. Den interessanten Einstieg verdanken wir einer Liberecer Persönlichkeit: Věra Vohlídalová. Sie wurde 1942 in London geboren, ihr Vater war Tscheche, ihre Mutter Deutsche. Als ihre Familie 1947 nach Tschechien kam, musste die kleine Věra erst die Sprache lernen und leider auch erfahren, wie es ist, anders zu sein und nicht richtig dazu zu passen.

Im Kommunismus, so erzählt die heute 74-Jährige, war es schwer und gefährlich, sich aktiv an der Gesellschaft zu beteiligen und so zog sich die Jugend zurück und beobachtete gespannt die Vorgänge in der restlichen Welt.

Zum Zeitpunkt der Wende hatten die Menschen den Glauben an die Veränderung verloren. Die Wende wurde nicht nur positiv aufgenommen und vorallem Ältere konnten mit dem plötzlichen Umbruch schwer mithalten. Was bedeutet es frei zu sein? Es bedeutet auch auf sich gestellt zu sein und selbst Verantwortung zu übernehmen. "Mit einem Mal berührte uns alles, was in der Welt geschah, persönlich", schildert Frau Vohlídalová eindrucksvoll.

Die 74-jährige Zeitzeugin rät uns, nicht zu vergessen, dass eine Wende ein Prozess ist, der nicht plötzlich vonstatten geht. Ebenso wie damals, braucht auch heute der menschliche Geist seine Zeit, sich an die neuen Umstände zu gewöhnen.

Der Schlüssel für eine positive Zukunft liegt für Frau Vohlídalová im Dialog. Wenn wir voneinander lernen, können wir viel schaffen und dafür sorgen, dass sich die Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen.

Nach einer Pause mit angeregten Diskussionen bei Kaffee und tschechischen Bäckereien präsentieren uns Roland Schöne und die deutsche Gruppe ihre Fortschritte im Projekt. Die SeniorInnen aus Chemnitz stehen mit Jüngeren vom Grundschulalter an in engem Austausch. Mit Gymnasiasten wurde sehr erfolgreich eine Industriekulturroute entwickelt und durchgeführt und das Patenschaftsprogramm für internationale Studierende scheint ein für beide Seiten fruchtbares und gut angenommenes Konzept zu sein.

Am Nachmittag können wir endlich die schöne Stadt erkunden. Bergauf und bergab erfahren wir einiges über die Geschichte des ehemaligen Reichenbergs. Das "Goldene Kreuz", eine Kreuzung an der sich sowohl ein wunderschönes Museum als auch das Kaiser Franz Josephs Bad befinden, macht, in Herbstlaub gekleidet, seinem Namen alle Ehre. Zu guter Letzt bekommen wir sogar noch das berühmte Theater von Reichenberg zu Gesicht.

Zum Abendessen treffen wir uns alle gemeinsam im Rathauskeller. Begeistert von den köstlichen Mahlzeiten finden wir im Anschluss sogar den Mut uns auf die Tische aufzuteilen und so mit allen Projektpartnern ins Gespräch zu kommen.

Am nächsten Morgen starten wir mit der Präsentation der tschechischen ProjektpartnerInnen in den Tag. Diese Gruppe trifft sich 14-tägig zum Diskutieren und Deutschlernen. Wie schon die deutschen Projektpartner engagiert sich auch die Gruppe von Jitka Pacltová in der Arbeit mit internationalen Studierenden und heißt diese jedes Semester in der Stadt willkommen. Auf einer sehr persönlich wirkenden Ebene begegnen die SeniorInnen den Kindern der Grund- und Mittelschulen. Strahlende Gesichter präsentieren auf den Fotos selbst Gebackenes, gefärbte Ostereier oder natürlich Papierbrücken. Besonders gelungen scheint die Zusammenarbeit mit den Schulen und Lehrern. Der Physiklehrer führt die Schüler in die Thematik des Brückenbauens ein und eine Geschichtelehrerin stellt ihre Expertise zu den Zeitzeugenberichten zur Verfügung. Die dabei entstandenen Arbeitsblätter werden im Internet allen Lehrern zur Verfügung gestellt und die Schüler nehmen mit den Texten, die sie aus den Zeitzeugenberichten gewonnen haben, an einem Wettbewerb.

Unsere eigene Gruppe ist als nächstes dran. Anna zeigt Fotos vom Papierbrücken-Bauen und den Generationengesprächen in der NMS Fröbel. Barbara erzählt von den ZeitzeugInnenberichten und den Schwerpunkten Migration und Berufswege, die sich in Graz durch das ganze Projekt ziehen und besonders beim multikulturellen Generationenmix in den Fokus genommen werden. Als Elfi von ihrer neu gewonnen Freundschaft zu einem Mädchen erzählt, schwappt die Begeisterung auf den ganzen Raum über.

Für die Präsentation der slowenischen Gruppe bleibt leider nur mehr wenig Zeit, da wir pünktlich in der Mensa zum Mittagessen erscheinen müssen. Gebackene Champions und Schnitzel warten.

Die slowenische Gruppe beeindruckt uns vorallem durch ihre großartige Vernetzung. In jedem slowenischen Ort gibt es eine Rentnervereinigung und die Senioren stellen sogar eine Partei im Parlament. In dem Projekt "Ältere für Ältere" wird versucht, auf niederschwellige Art hilfsbedürftige SeniorInnen zu erreichen und präventive Maßnahmen zu setzen. In den Generationengesprächen wurden wertvolle Informationen zu Bildungs- und Berufswegen ausgetauscht.

Am Nachmittag brechen wir auf und verabschieden uns von der hübschen kleinen Stadt mit dem klingenden Namen im Norden Prags. Als letzten Programmpunkt steuern wir das Schloss Sychrov an. Der märchenhafte, neugothische Stil und der weitläufige Park sprechen uns sofort an. Während der Führung können wir die wunderbaren Räume auch von innen bestaunen. Details, wie die unzähligen kleinen Löwen auf den Türklinken, die Aufklärung des langjährigen Irrtums, dass die Leute früher kleiner waren, und die Erzählung, dass die Wappen im Innenhof für die eingeheirateten Damen stehen, werden in Geschichten um Familie Rohan und das Leben von 1820 bis 1945, die Zeit in der das Schloss im Besitz dieser Familie war, eingewoben.

Die vielen neuen Eindrücke lassen uns im Bus von Abenteuern mit Pflaumengeschmack träumen.

Erasmus+ Ältere bauen mit Jüngeren Brücken für Europa

2. Projekttreffen in Liberec

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Menschliche multinationale Brücke vor dem Schloss Sychrov

Voller Elan und Motivation brechen wir am österreichischen Nationalfeiertag, den 26. Oktober 2016, nach Liberec auf. Dankbarerweise kann unsere 8-köpfige Gruppe bei Anja Šonc und unseren slowenischen ProjektpartnerInnen im Bus mitfahren.

Etwas erschöpft und hungrig kommen wir in der einladend wirkenden Stadt in Tschechien an. Bei einem köstlichen Abendessen in nettem Ambiente werden wir im "Schwarzen Pferd" für unsere lange Reise belohnt.

Am nächsten Morgen finden sich alle Projektpartner im Rektoratsgebäude an der Technischen Universität ein. Den interessanten Einstieg verdanken wir einer Liberecer Persönlichkeit: Věra Vohlídalová. Sie wurde 1942 in London geboren, ihr Vater war Tscheche, ihre Mutter Deutsche. Als ihre Familie 1947 nach Tschechien kam, musste die kleine Věra erst die Sprache lernen und leider auch erfahren, wie es ist, anders zu sein und nicht richtig dazu zu passen.

Im Kommunismus, so erzählt die heute 74-Jährige, war es schwer und gefährlich, sich aktiv an der Gesellschaft zu beteiligen und so zog sich die Jugend zurück und beobachtete gespannt die Vorgänge in der restlichen Welt.

Zum Zeitpunkt der Wende hatten die Menschen den Glauben an die Veränderung verloren. Die Wende wurde nicht nur positiv aufgenommen und vorallem Ältere konnten mit dem plötzlichen Umbruch schwer mithalten. Was bedeutet es frei zu sein? Es bedeutet auch auf sich gestellt zu sein und selbst Verantwortung zu übernehmen. "Mit einem Mal berührte uns alles, was in der Welt geschah, persönlich", schildert Frau Vohlídalová eindrucksvoll.

Die 74-jährige Zeitzeugin rät uns, nicht zu vergessen, dass eine Wende ein Prozess ist, der nicht plötzlich vonstatten geht. Ebenso wie damals, braucht auch heute der menschliche Geist seine Zeit, sich an die neuen Umstände zu gewöhnen.

Der Schlüssel für eine positive Zukunft liegt für Frau Vohlídalová im Dialog. Wenn wir voneinander lernen, können wir viel schaffen und dafür sorgen, dass sich die Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen.

Nach einer Pause mit angeregten Diskussionen bei Kaffee und tschechischen Bäckereien präsentieren uns Roland Schöne und die deutsche Gruppe ihre Fortschritte im Projekt. Die SeniorInnen aus Chemnitz stehen mit Jüngeren vom Grundschulalter an in engem Austausch. Mit Gymnasiasten wurde sehr erfolgreich eine Industriekulturroute entwickelt und durchgeführt und das Patenschaftsprogramm für internationale Studierende scheint ein für beide Seiten fruchtbares und gut angenommenes Konzept zu sein.

Am Nachmittag können wir endlich die schöne Stadt erkunden. Bergauf und bergab erfahren wir einiges über die Geschichte des ehemaligen Reichenbergs. Das "Goldene Kreuz", eine Kreuzung an der sich sowohl ein wunderschönes Museum als auch das Kaiser Franz Josephs Bad befinden, macht, in Herbstlaub gekleidet, seinem Namen alle Ehre. Zu guter Letzt bekommen wir sogar noch das berühmte Theater von Reichenberg zu Gesicht.

Zum Abendessen treffen wir uns alle gemeinsam im Rathauskeller. Begeistert von den köstlichen Mahlzeiten finden wir im Anschluss sogar den Mut uns auf die Tische aufzuteilen und so mit allen Projektpartnern ins Gespräch zu kommen.

Am nächsten Morgen starten wir mit der Präsentation der tschechischen ProjektpartnerInnen in den Tag. Diese Gruppe trifft sich 14-tägig zum Diskutieren und Deutschlernen. Wie schon die deutschen Projektpartner engagiert sich auch die Gruppe von Jitka Pacltová in der Arbeit mit internationalen Studierenden und heißt diese jedes Semester in der Stadt willkommen. Auf einer sehr persönlich wirkenden Ebene begegnen die SeniorInnen den Kindern der Grund- und Mittelschulen. Strahlende Gesichter präsentieren auf den Fotos selbst Gebackenes, gefärbte Ostereier oder natürlich Papierbrücken. Besonders gelungen scheint die Zusammenarbeit mit den Schulen und Lehrern. Der Physiklehrer führt die Schüler in die Thematik des Brückenbauens ein und eine Geschichtelehrerin stellt ihre Expertise zu den Zeitzeugenberichten zur Verfügung. Die dabei entstandenen Arbeitsblätter werden im Internet allen Lehrern zur Verfügung gestellt und die Schüler nehmen mit den Texten, die sie aus den Zeitzeugenberichten gewonnen haben, an einem Wettbewerb.

Unsere eigene Gruppe ist als nächstes dran. Anna zeigt Fotos vom Papierbrücken-Bauen und den Generationengesprächen in der NMS Fröbel. Barbara erzählt von den ZeitzeugInnenberichten und den Schwerpunkten Migration und Berufswege, die sich in Graz durch das ganze Projekt ziehen und besonders beim multikulturellen Generationenmix in den Fokus genommen werden. Als Elfi von ihrer neu gewonnen Freundschaft zu einem Mädchen erzählt, schwappt die Begeisterung auf den ganzen Raum über.

Für die Präsentation der slowenischen Gruppe bleibt leider nur mehr wenig Zeit, da wir pünktlich in der Mensa zum Mittagessen erscheinen müssen. Gebackene Champions und Schnitzel warten.

Die slowenische Gruppe beeindruckt uns vorallem durch ihre großartige Vernetzung. In jedem slowenischen Ort gibt es eine Rentnervereinigung und die Senioren stellen sogar eine Partei im Parlament. In dem Projekt "Ältere für Ältere" wird versucht, auf niederschwellige Art hilfsbedürftige SeniorInnen zu erreichen und präventive Maßnahmen zu setzen. In den Generationengesprächen wurden wertvolle Informationen zu Bildungs- und Berufswegen ausgetauscht.

Am Nachmittag brechen wir auf und verabschieden uns von der hübschen kleinen Stadt mit dem klingenden Namen im Norden Prags. Als letzten Programmpunkt steuern wir das Schloss Sychrov an. Der märchenhafte, neugothische Stil und der weitläufige Park sprechen uns sofort an. Während der Führung können wir die wunderbaren Räume auch von innen bestaunen. Details, wie die unzähligen kleinen Löwen auf den Türklinken, die Aufklärung des langjährigen Irrtums, dass die Leute früher kleiner waren, und die Erzählung, dass die Wappen im Innenhof für die eingeheirateten Damen stehen, werden in Geschichten um Familie Rohan und das Leben von 1820 bis 1945, die Zeit in der das Schloss im Besitz dieser Familie war, eingewoben.

Die vielen neuen Eindrücke lassen uns im Bus von Abenteuern mit Pflaumengeschmack träumen.